Bönkeim

mit den Ortsteilen Bönkeim-Waldhaus, Johannisberg, Wisdehnen

 

Frühzeit

In der mittleren Ordenszeit lag im Kammeramt Domnau der Komturei Brandenburg der pruzzische Freienort „Penekaym", der auch „Penekaimen" geschrieben wurde. Es bestand im Jahre 1373 aus je einem magdeburgischen und kölmischen Gut und 3 Freien Diensten mit den dazugehörigen unfreien pruzzischen Bauern und war 60 Hufen groß. Der Name des Ortes soll pruzzischen Ursprunges sein und er kann nach Guttzeit vielleicht „Dorf an der Pene" bedeuten.

Die Besitzverhältnisse in diesem Ort wechselten schon in der frühen Zeit sehr oft. 1426 waren dort 4 Freie ansässig, außerdem erhielt der Freie Warpune von Knauten 11 Hufen 5 Morgen „im Felde Penekaym" verliehen. 1448 verkaufte Kaspar von Knauten - der Nachfolger von Warpune - 4 Hufen in „Penekayme" und 1451 hatte die Familie v. Eppingen Besitz im Ort. Nach dem „Ständekrieg" von 1454/66, der wohl seine Spuren auch in Bönkeim hinterließ, erhielt 1474 Ludwig v. Eppingen „9 Hufen zu Penekaym seinem dortigen Dienst zu Hilfe" verliehen. Er hatte also schon Besitz im Ort.

Es ist bekannt dass der „Reiterkrieg" von 1520 Schäden im Dorf verursachte, denn 1528 lagen von den 60 Hufen noch 12 1/2 wüst. Um 1540 hatte ein K. Roß ein Gut in „Binkeim" im Besitz; ebenfalls M. v.Eppingen, dem dazu noch 13 Bauern unterstanden. 1561 gab Wilhelm v.Eppingen seinen Besitz in Bönkeim auf. Anschließend waren dort die Familien v. Rippe und v. Weißel begütert. „Boenigkeim" - inzwischen so genannt - wurde in dieser Zeit ein großes adliges Gut mit untertänigen Bauern. Es gehörte von 1687 bis 1736 der Familie Albrecht und von 1736 bis 1772 der Familie Volbrecht. Das Vorwerk Johannisberg bestand damals schon und gehörte zum Gut. Ab 1772 hieß der Besitzer kurze Zeit Freiherr v. Galera.

 

Neuzeit

Ende des 18.Jahrhunderts wirtschaftete dort der Arrendator Kirschstein mit vielen Instleuten, 8 Bauern und 131 Einwohnern. Der Schulmeister hieß Schulz; die Bauern Schulze Michael Wildfang, Christoph Bernt, Bernhard Grünberg, Christoph Kirschstein, Michael Kubeck, Christian Saam, Gottfried Saam und Jacob Saam. Nach v. Galera besaß um 1783 der Oberstleutnant v. Lehwaldt das Gut. 1785 wird schon der Kriegsrat Fahrenheid als Eigentümer des Gutes und Dorfes „Boenigkeim" mit 16 Feuerstellen und der Kirche in Abschwangen genannt. Um 1790 war es ein Oberstleutnant v. der Boeck und 1800 wieder ein v. Lehwaldt. Dorf und Gut Bönkeim wurden 1800 mit 40.000 Taler Wert und 1810 mit einem solchen von 66 600 Talern angegeben.

1820 waren in Dorf und Gut „Boenkeim" 15 Feuerstellen und 163 Bewohner; Besitzer war Baron v. Wildemann, der in Königsberg wohnte und das Gut an Weseli verpachtet hatte. Im Jahre 1821 wurden die Eigentumsverhältnisse der 9 Bauern von Bönkeim gegenüber dem Gut reguliert. Sie besaßen 604 Morgen Land und waren dem Gut neben dem Scharwerk zu einem jährlichen Zins von 162 Talern, 17 Scheffel 7 Metzen Getreide, 2 Stein Flachs, 27 Gänsen, 36 Hühnern, 9 Broten verpflichtet. Sie mussten 296 Morgen Land abtreten, entsagten der Waldweide- und Brennholz-Befugnisse im adligen Wald und behielten 308 Morgen Land als freies Eigentum ohne Dienste und Abgaben. Zur Schule gehörten 13 Morgen Land. Auch ein Krug wird bereits ab 1615 in den Kirchenbüchern erwähnt, anfangs als Schloßkrug.

In der damaligen für die Landwirtschaft schweren Zeit wurde das Gut Bönkeim 1825 mit der gerichtlichen Taxe von 37396 Talern zum Verkauf gestellt. Im dritten Verkaufstermin wurden nur 19.500 Taler geboten. Die Ostpreußische Landschaft als Hauptgläubiger stellte daraufhin den Verkauf zurück. Sie ließ das Gut durch einen Verwalter bewirtschaften. Danach hat das Gut einen Käufer gefunden. Im Jahre 1831 heißt es, „Gut Boenkeim in schwarzem, fruchtbaren Boden hat mit dem südlich davon liegenden Vorwerk Johannisberg 3397 Morgen Land und 16 Instleute. Dazu das Dorf mit 9 Bauernhöfen und einer Schule; zusammen sind es 214 Bewohner". Im Jahre 1846 waren im Dorf 12 Wohnhäuser mit 132 Bewohnern und im Gut ohne Johannisberg 7 Wohngebäude mit 104 Einwohnern.

1857 wird als Besitzer des Gutes ein Herr Lipschitz genannt. 1871 lagen 18 Wohngebäude im Dorf mit 26 Haushalten, in denen 121 Personen lebten. Das Gut (ohne Waldhaus und Johannisberg) hatte 7 Häuser und 102 Bewohner. Im Güteradreßbuch von 1879 wird das Gut Bönkeim mit einer Größe von 836 ha angegeben, davon 400 ha Acker, 93 ha Wiesen, 28 ha Weiden, 295 ha Wald, 2 ha Wasser, 18 ha Hof/Wege/ Unland. Besitzer war Rudolf S. Lipschitz in Königsberg, Pächter der Sohn Anton Lipschitz, der 7998 Mark jährliche Grundsteuer zahlen mußte. 1885 war das Dorf nur 80 ha groß, aber es lagen darin 20 Wohngebäude mit 24 Haushalten und 130 Personen; im Gut mit 836 ha Land gab es 10 Häuser, 29 Haushalte und 160 Einwohner. 1895 leben in Dorf und Gut in 27 Häusern mit 54 Haushalten 309 Personen.

1891 kaufte Ernst v. Stutterheim - vorher Neu-Waldeck - das Gut Bönkeim, behielt es aber nicht lange, denn bereits kurz vor der letzten Jahrhundertwende ging es in den Besitz von Exzellenz Georg v. Kalckstein, Generalleutnant a. D. und Gutsherr von Romitten, über. 1907 wird er als Gutsherr von Bönkeim mit 850 ha Land aufgeführt. Herr v. Kalckstein wohnte im Schloss Romitten; die Wirtschaft in Bönkeim führte der Oberinspektor Otto Waechter. 1913 war Gut Bönkeim 870 ha groß, Herr v. Kalckstein hatte inzwischen ein paar kleine Bauernhöfe aufgekauft. Es ist bekannt, dass er um 1905 den Hof des Bauern Diester kaufte. Im Gut Bönkeim standen damals 77 Pferde, 295 Rinder - davon 80 Kühe -, 170 Schweine. Eine moderne Ringofen-Ziegelei war vorhanden.

 

Das Ende

Neben dem Gut gab es das Dorf mit einigen kleinen Bauernhöfen, von denen damals Berger, Feierabend, Fuhrmann, Glaap, Pittwald und Seidler bekannt sind; ferner etliche Käthnergrundstücke. 1907 wurde die Chaussee von Pr. Eylau nach Abschwangen gebaut, an welcher Bönkeim lag. Im I. Weltkrieg erlitt Bönkeim Ende August 1914 durch russische Truppen keine besonderen Schäden. Nach dem Krieg blieb Gut Bönkeim mit 870 ha weiter im Besitz von Exzellenz v. Kalckstein unter der Wirtschaftsführung von Oberinspektor Glaubitz. 1925 starb Georg von Kalckstein in Romitten. Seine Erben verkauften 1927 zuerst einen kleinen Teil von Romitten und das ganze Gut Bönkeim zur Aufsiedlung. Ein Restgut von anfangs 288 ha mit dem Gutshof erwarb Botho Braun aus Uderwangen, der dort sein bisheriges Gut verkaufte. Das übrige Land wurde in 13 Vollbauern-Siedlungen (mit Johannisberg) aufgeteilt, ferner konnten S Kleinbauern Land zur Aufstockung ihrer Höfe kaufen. Ein Siedlungshof in Johannisberg ging ein; das Land wurde vom Hof Rieleit und Nachbarn übernommen. Die bisherige Gutsziegelei kam in Privatbesitz von Herrn Smorra und bestand weiter.

Seit dem 30.9.1928 bestand die neue Gemeinde Bönkeim mit den Ortsteilen Bönkeim-Waldhaus, Johannisberg und Wisdehnen. Sie war jetzt 1224,90 ha groß und hatte 32 Wohnhäuser, 67 Haushalte und 338 Einwohner. Dieses ist der Stand von 1925; die Gemeinde vergrößerte sich durch die Siedlung erheblich. Die Schule in Bönkeim war schon 1725 gegründet worden, das Schulhaus wurde 1928 neu erbaut. Letzte Lehrer: Schröder (1890 bis etwa 1916), Hoffmann (bis 1930), Albert Gensch (bis 1932) und ab 1.4.1933 bis 1945 Emil Küßner. Kirche, Standesamt und Amtsbezirk lagen in Abschwangen, das Amtsgericht in Domnau. Der Grundsteuer-Reinertrag von 10,20 RM je ha und Jahr deutet auf guten Boden hin. Gemeindevorsteher war 1930 Botho Braun aus Bönkeim.

Das Restgut von Botho Braun war anfangs noch 288 ha groß, doch in der für die Landwirtschaft schweren Zeit wurde Land an Anlieger verkauft. Für 1932 gibt es folgende Angaben: 261 ha Besitz, davon 120 ha Acker, 15 ha Wiesen, 70 ha Weiden, 50 ha Wald, 1 ha Wasser, 5 ha Hof/ Wege, 36 Pferde, 102 Rinder - davon 52 Kühe -, 2 Schweine. Das Gut musste Mitte der 30er Jahre zwecks Umschuldung nochmals den Gutswald von 50 ha verkaufen, den der Kreis erwarb und ihn in den angrenzenden Kreiswald eingliederte. Auch Anlieger erwarben noch Land vom Gut, so dass dieses zuletzt 165 ha groß war. Im Herbst 1939 nach Kriegsbeginn brannte durch Funkenflug der halbe Gutshof ab; der Wiederaufbau im Kriege war schwer. Die Ziegelei war auch im Krieg mit verringerter Kapazität in Betrieb. Der Ort wurde 1934 an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. In ihm befanden sich eine Poststelle und eine Hökerei. Das wirtschaftliche und kulturelle Leben spielte sich hauptsächlich in dem großen Dorf Abschwangen ab. Bönkeim lag verkehrsmäßig günstig an der Chaussee Pr. Eylau - Abschwangen etwa 3 km südwestlich von Abschwangen und rd. 4,5 km vom Bahnhof Neu-Waldeck entfernt. Die Gemeinde hatte 1933: 343 und 1939: 398 Einwohner. Letzter Bürgermeister war Gustav Pittwald.

Bei der Eroberung von Bönkeim am 27.1.1945 kam es zu größeren Zerstörungen. Da die deutsche Bevölkerung bald ohnehin den Ort verlassen mussten, dürften diese Schäden nie behoben worden sein.

 

Bönkeim-Waldhaus

Der kleine Wohnplatz „Bönkeim-Waldhaus" des Gutes Bönkeim ist etwa um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gegründet worden und war Sitz des Gutsförsters von Bönkeim. Dieses „Waldhaus" wird erstmalig 1871 in der preußischen Gemeindestatistik mit 1 Wohnhaus und 4 Einwohnern aufgeführt. 1885 war 1 Haus mit 9 Personen vorhanden. Der Bönkeimer Wald war lange Zeit etwa 285 ha groß. Nach der Gutsübernahme von Bönkeim durch Georg v.Kalckstein-Romitten wurde der angrenzende Romitter Wald mit dazugenommen, so dass es jetzt etwa 450 ha Forstland waren. Allerdings wurde der Romitter Wald von einem in Romitten wohnenden Gutsförster betreut. Das Forsthaus Bönkeim blieb auch im 20.Jahrhundert bestehen; um 1910 hieß der Gutsförster Nehrke.

Nach der Aufsiedlung von Romitten und Bönkeim 1927 wurden die beiden Forststücke von etwa 450 ha Größe nach rigoroser Abholzung durch die Erben des Herrn v. Kalckstein um das Jahr 1928 vom Kreis erworben. Dabei brauchte der größte Teil der Kaufsumme von 115.000 RM wegen Steuerschulden nicht gezahlt zu werden. Bei der neuen Gemeindeeinteilung ab dem 30.9.1928 blieb das Waldhaus ein Wohnplatz der Gemeinde Bönkeim. Die Schule lag in Bönkeim, alle anderen amtlichen Stellen wie beim Gemeindeort.

Am 1. 4. 1929 trat der neue Kreisförster Wilhelm Raffel sein Amt im Forsthaus Bönkeim an und sorgte vor allem für eine fachgerechte Aufforstung der stark verwüsteten Waldflächen. Der neue Kreiswald war in 31 Jagen eingeteilt und wurde von 3 Hauptgestellen durchzogen. Um 1937 wurde bei einer erneuten Verkleinerung des Gutes Braun in Bönkeim dessen Gutswald von ca. 50 ha Größe vom Kreis dazugekauft. Da dieses Waldstück an den Kreiswald grenzte, kam es als neues Jagen 32 dazu.

Das Forsthaus Bönkeim lag etwa 1,5 km westlich vom Ort Bönkeim am ostwärtigen Rand des Waldes und war von der Chaussee nach Abschwangen auf ca. 750 m Waldweg zu erreichen. Letzter Kreisförster des ca. 500 ha großen Kreiswaldes Romitten - Bönkeim war Wilhelm Raffel; sein langjähriger und bewährter Haumeister hieß Amsel und wohnte in Bönkeim.

 

Ort Johannisberg

Das kleine Vorwerk Johannisberg der Begüterung Bönkeim ist bald nach der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert entstanden. Es wird ab 1733 in den Kirchenbüchern bereits als solches genannt, und hat seinen Namen wohl nach dem nördlich davon in der Nähe liegenden Johannisberg erhalten, der mit 68 m Höhe ein auffallender Hügel in der dortigen Frisching-Ebene war. In den Listen des Amtes Uderwangen wird "Johansberg" 1771 und später wegen seiner geringen Bedeutung nur zusammen mit dem Gut Bönkeim aufgeführt. 1785 war „Johansberg" ein adliges Vorwerk von Gut Bönkeim mit 2 Feuerstellen im Kirchspiel Abschwangen.

1820 schon „Johannisberg" geschrieben, lag in diesem kleinen Vorwerk nur 1 Feuerstelle; 14 Personen lebten dort. Auch 1831 wird es als „Bönkeim mit dem südlich davon liegenden Vorwerk Johannisberg" genannt, ohne dass weitere Angaben erfolgen. - Der kleine Ort blieb ständig ein Vorwerk vom Rittergut Bönkeim. 1846 hatte er 2 Wohngebäude und 31 Einwohner; 1871 waren es 2 Häuser mit 18 Bewohnern, 1885 2 Wohnhäuser mit 25 Personen und 1895 sogar 3 Wohngebäude mit 37 Einwohnern. In den Güteradressbüchern des 20. Jahrhunderts wird es bis 1920 stets als Vorwerk von Gut Bönkeim geführt, das etwa 1,5 km südlich vom Hauptgut lag.

Bei der Aufsiedlung von Gut Bönkeim 1927 kamen auch die Ländereien vom Vorwerk Johannisberg zu den neuen Siedlungsgehöften. Im früheren Vorwerk selbst lagen die Höfe von Kuhse, Link und Rieleit. Kuhse gab bald seine Siedlung auf; sie wurde zum größten Teil von Rieleit übernommen, der Rest des Landes von Nachbarn gekauft. Das frühere Vorwerk war danach nicht mehr abgelegen, denn nach dem Johannisberg zu lagen die Höfe Hein, Jaschinski, Sawatzki und Wilde wie auch die von Hochhaus, Peschke und Wellmann an der Chaussee nordwestlich von Johannisberg. Es wird bei der neuen Gemeindeeinteilung ab 30. 9. 1928 als Ortsteil der Gemeinde Bönkeim aufgeführt. Die Schule lag in Bönkeim, die anderen amtlichen Stellen wie beim Gemeindeort.

 

Gut Wisdehnen

Im Kammeramt Knauten der Komturei Brandenburg lag in der mittleren Ordenszeit der gemischte pruzzische Ort „Wissedarn" mit etlichen Hakenbauern und einem kleinen magdeburgischen Gut eines prußischen Freien. Es wird als solches 1419 genannt; der Name ist pruzzischen Ursprungs und dürfte von einem Personennamen abgeleitet sein - etwa Wissede. Erst zu Beginn setzt sich die moderne Schreibweise Wisdehnen durch. In der Zeit nach den verlustreichen Kriegen des Ordens entwickelte sich der Ort zu einem größeren Gut mit einigen untertänigen Bauern. Über die Besitzverhältnisse des 16. und 17.Jahrhunderts haben wir keine Unterlagen, erst 1771 erfahren wir, daß „Weßdehnen" ein Gut und Dorf mit 32 Einwohnern war. 1783 hieß der Gutsbesitzer Oberstleutnant v. Buddenbrock, der Gutsverwalter Reschke, die drei Bauern Christian Behrendt, Johann Beil und Christoph Belling; dazu der „Kirchenhübner". 1785 meldet Goldbeck: „Wesdehnen, ein adliger Gutshof und Dorf mit 5 Feuerstellen, 37 Einwohnern und der Kirche in Uderwangen; Besitzer Oberstleutnant v. Buddenbrock. Auch eine zur Uderwang'schen Kirche gehörige bebaute Kirchenhufe mit 1 Feuerstelle ist im Ort".

1790 besaß ein Leutnant v. Buddenbrock auf Wartnicken - wohl der Sohn des 1785 erwähnten Eigentümers - das Gut von 10 Hufen, das zusammen mit dem Dorf 42 Bewohner hatte. Die Bauern hießen jetzt George Schup, 1 Hufe; Johann Sabotka, 1 Hufe 15 Morgen. Den dritten Hof mit 1 Hufe 15 Morgen hatte v. Buddenbrock bereits zum Gut eingezogen, auch die Kirchenhufe gehörte ihm jetzt. Im Jahre 1800 wurde der Wert des Gutes mit 15 000 Talern angegeben und bald danach sind dann auch die beiden letzten Bauernhöfe vom Gut eingezogen worden. 1820 ist Wisdehnen ein adliges Gut mit 6 Feuerstellen und 51 Einwohnern und gehört einer Frau Baronin v. Langermann.

Im Jahre 1831 lesen wir: „Wisdehnen bei Bönkeim in Lehmboden, ein adliges Gut mit 1223 Morgen Land, 9 Instleuten und 72 Bewohnern. Im Jahre 1829 wurde es mit der gerichtlichen Taxe von 9240 Talern zum öffentlichen Verkauf ausgeboten". - 1846 hatte das Rittergut 6 Wohngebäude und 79 Einwohner; 1857 wird als Besitzer „Frau Witwe Puscha" genannt. 1871 lebten auf dem Gut in 6 Häusern und 15 Haushalten 88 Personen: 1879 wird im Güteradressbuch aufgeführt: 386 ha Besitz, davon 255 ha Acker, 25 ha Wiesen, 74,5 ha Weiden, 25 ha Wald, 6,5 ha Hof/Wege. Der Besitzer hieß Otto Andersonn und er zahlte jährlich 3224 Mark an Grundsteuer.

In den amtlichen Listen wird das Rittergut 1885 mit 383 ha Land, 6 Wohnhäusern, 20 Haushalten und 101 Bewohnern geführt; das war der höchste Einwohnerstand. - 1907 war das Gut um knapp 80 ha kleiner und hatte nur noch 306 ha. Besitzer war jetzt der Sohn Georg Andersonn, der es bald verkaufte, denn 1913 hieß der Eigentümer bereits Wilhelm Polland. Rittergut Wisdehnen war jetzt 311 ha groß; das lebende Inventar bestand aus 48 Pferden, 160 Rindern - davon 75 Kühe -, 200 Schafen und 4 Schweinen. An Grundsteuer zahlte Polland 3030 Mark im Jahr; er betrieb Remonte-Pferdezucht, Herdbuch-Viehzucht, Milchwirtschaft, Ochsenmast und Oxforddown-Schafzucht.

Wisdehnen trug im I. Weltkrieg Ende August 1914 beim Russeneinfall keine Schäden davon. Die Besitzer wechselten wohl wegen des schweren Lehmbodens oft. 1920 gehörte es Friedrich Sperber, der noch 311 ha sein Eigen nannte und die früheren Zuchten weiter betrieb. Ab dem 30.9.1928 hörte der selbständige Gutsbezirk auf zu bestehen und Wisdehnen wurde ein Ortsteil der neuen Gemeinde Bönkeim. Es gehörte zur dortigen Schule; die anderen amtlichen Stellen wie beim Gemeindeort. 1929 war Sperber noch Eigentümer des Gutes mit 310 ha Land; 1932 war es mit 294 ha im Besitz eines Herrn K. Kowalk, der Diplomlandwirt war. Bei dem Besitzwechsel war Land an Anlieger aus dem nahen Dorf Lewitten verkauft worden. Von den 294 ha waren 180 ha Acker, 25 ha Wiesen, 76 ha Weiden, 10 ha Wald, 3 ha Hof/Wege. Auf dem Hofstanden 24 Pferde, 110 Rinder - davon 55 Kühe - und einige Schweine.

Das Gut Wisdehnen lag etwa 2,5 km nördlich von Bönkeim und 3 km nordwestlich vom großen Dorf Abschwangen etwa in der Mitte zwischen diesem Ort und Lewitten an Landwegen, die durch den Lehm oft schwer passierbar waren. Es war das unvergessene Jugendparadies des natangischen Historikers Emil Johannes Guttzeit (1898 - 1984), dessen Großvater Gottlieb August Guttzeit (1846-1905) dort Kämmerer war. - K. Kowalk hat sein Gut um 1935 wieder verkauft und dabei weiteres Land an Anlieger veräußert. Der letzte Besitzer von Gut Wisdehnen mit 255 ha Land hieß Walter Schindler.

 

Quelle: Die Städte und Gemeinden des Kreises Preußisch Eylau, herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau in der Landsmannschaft Ostpreußen e.V.